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Neue Hürden

25.11.2019 – 04.12.2019

Eigentlich planten wir unseren Grenzübergang nach Mexiko in Tecate, obwohl dieses Städtchen nicht auf unserem direkten Weg zu den Tacos und Burritos war. Dort soll es ruhiger zu und her gehen und so auch weniger gefährlich sein. Als wir das unserem Gastgeber Chris in San Diego erzählten, winkte er ab und meinte, der Grenzübergang in Tijuana sei viel näher und nicht gefährlicher. Er habe schon einige Tourenfahrer bei sich gehabt und keiner hätte bei diesem Grenzübergang Probleme gehabt. Na dann: machen wir das doch auch!:) In San Diego füllten wir unseren Vorrat an Ersatzmaterial auf, brachten die Bikes auf Vordermann und verpassten Aurelias Bike auch noch ein Rückspiegel. Denn in den kommenden Wochen wird es laut erfahrenen Tourenfahrern auf den Strassen rauer zu und her gehen. 



Seit San Francisco haben wir viele Städte hinter uns gebracht. Die Küste ist von da an dichter bevölkert als im Norden. Da war die Motivation, San Diego näher anzuschauen, eher klein gewesen. Für einen kurzen Abstecher an den Hafen und ins Gaslamp Quarter hat es aber gerade noch gereicht!:) 





Wir waren gespannt. Den Stempel bekamen wir nach Bezahlung von 25 US Dollar pro Person. Der Beamte wollte unsere Route wissen, wünschte uns viel Glück und legte uns ans Herz, nie im Dunkeln zu fahren. Soviel haben wir in spanischer Sprache verstanden! Nicht schlecht, ha? =) Die Taschen mussten wir alle öffnen, doch ein kurzer Blick in jede reichte der Beamtin schon. Wir waren erleichtert, denn unseren Bärspray wollen wir noch ein wenig bei uns haben! 



Der Verkehr in Tijuana war halb so schlimm wie wir uns das vorgestellt haben. Die Fahrer nahmen genug Abstand beim Überholen und bei engen Stellen warteten sie geduldig bis sie Platz zum überholen hatten. Aber mit dem Bike aus einer Stadt zu fahren ist meist einfach stressig. Und wie bereits gesagt: wir haben einige Städte hinter uns gebracht. Darum konnten wir es kaum erwarten, aus dem grossen Verkehr raus zu sein! Der Taco-Stand ausserhalb Tijuana, am Ende eines längeren Anstiegs kam uns gerade recht, um uns ein wenig zu erholen und die ersten Tacos und Quesadillias in Mexiko zu essen!:)





Bei Chel durften wir unser Zelt in ihrem Garten aufstellen. Sie wohnt selber in einem riesen Camper, der ein wenig repariert werden musste. Tom half ihr beim Flicken von porösen Stellen mit Silikon. Sie sprach gut Englisch und machte unseren ersten Abend in der neuen Kultur perfekt. Es ist nicht ganz leicht, in einem Land unterwegs zu sein, dessen Sprache man nicht gut beherrscht. So waren wir umso mehr dankbar und erleichtert, dass Chel Englisch sprach und uns viele gute Tips und Hinweise für uns bereit hatte! 
Sie nahm uns in ein traditionelles Restaurant mit, das für 100 Pesos (5 USD) drei hungrige Mägen mit tollem Essen füllte und brachte uns zur besten heissen Schokolade der Stadt. Ooh das war fein!:)



Weiter gings an der Küste entlang nach Ensanada. Dies soll für längere Zeit die letzte grosse Stadt in der Baja California sein, die wir besuchten. Wir wählten die kostenpflichtige Autostrasse, da sie einen breiten Seitenstreifen hat und weniger Verkehr. Doch wer Chel gut zugehört hat, weiss wo man ohne Gebühren auf diese Strasse kommt!:) Sicherheitstechnisch war das eine gute Wahl, doch der Lärm der Trucks und Autos konnte trotzdem nicht vermieden werden. Er macht müde und den Tag zu einem anstrengenden. 





Ab Ensenada ging es auf dem Highway 3 ins Landesinnere und in die Höhe. Das alles trotz schlechten Wettervorhersagen. Einen langen aber angenehmen Anstieg hatten wir vor uns. Je weiter weg wir uns von der Stadt entfernten, desto ruhiger wurde es auf der Strasse. Ein Green Angel kam auf uns zu und wollte uns warnen. Es würde ein stürmischer Regen mit möglichem Schneefall in den Bergen erwartet. Für uns war aber klar: wir wollen da hoch! Warme Kleider, gutes Zelt und Schlafsack haben wir ja und werden uns warm halten. Zu schön soll es da oben sein, um auf halbem Weg umzukehren. Dem war dann auch so: Kakteen, Berge und unheimlich weite Ebenen kamen zum Vorschein. Nur der viele Abfall der sich am Strassenrand anhäufte, war traurig anzusehen. Es schien fast so, als dass die Leute hier oben ihren Abfall aus dem Haushalt «entsorgen». 











Dafür liess Sturm auf sich warten, vorerst! Der zweite Tag brachte immer wieder Nieselregen und etwas Gegenwind mit sich. Wir waren aber andersweitig abgelenkt. Die Natur war für uns ganz neu: Kakteen, Gräser und trockene Landschaft. Dies alles genossen wir umso mehr, als es für eine Weile bergab ging! Das Beste hatten wir vor uns. Eine weite Ebene und eine endlos scheinende Strasse kam zum Vorschein.





Die zweite Nacht verbrachten wir dann auch da! Hinter Kakteen versteckt und weit weg von der Strasse schlugen wir unser Zelt auf. Mitten in der Natur und in ihrer Stille zu campen geniessen wir immer sehr. Nur eine dunkle Front liess uns dann etwas beunruhigen. Ist das nun der angemeldete Sturm? Die Front schien an der Bergkette zu hängen. Doch bald kam starker Wind auf. So stark, dass wir kaum ein Auge zu machen konnten. Wir ärgerten uns ein wenig, denn auf einer solch weiten Ebene ist starker Wind ja nicht ungewöhnlich! Aurelia sah schon die Zeltstangen brechen. War ja klar, dass Frau dabei mit blühenden oder genauer gesagt dramatischen Fantasien kommen muss. Geholfen haben sie wie immer nichts! Am nächsten morgen packten wir unser bärenstarkes Zelt ein und fuhren ohne Frühstück (und ohne Kaffee!) weiter. Wir trauten den Wolken nicht mehr so ganz und wollten an einem geschützteren Ort essen. Doch mit leerem Magen weiter zu fahren war halb so schlimm: eine 30 km lange Abfahrt durch eine wunderschöne Landschaft, mit der Sonne im Gesicht und dem Wind im Rücken machte den Start in den Tag perfekt!
















Lost and found am Strassenrand: Rückspiegel in Topzustand! Jetzt fährt Aurelia nicht nur mit einem, nein sogar mit zwei Rückspiegel durch Mexiko!



San Felipe ist für viele Feriengäste ausgerichtet. Viele Campingplätze, Hotels, Restaurants sowie Souvenirläden gibt es in diesem kleinen Städtchen. Wir füllten da unsere Mägen sowie unsere Wasserbeutel und erholten uns am Abend mit Bier und Pasta auf dem Campingplatz. Wir durften dank der Chefin unter einem Vordach eines unbewohnten Campers zelten, damit wir vor Wind und Regen besser geschützt wären. Direkt am Strand und das alles noch für heruntergehandelte 200 Pesos. 

In Mexiko bekommen wir viele winkende Hände und hochhaltende Daumen von Fahrern zu sehen. So auch von zwei Amerikanern, die sogar umdrehten und uns zwei Dosen Bier zustreckten. Die Beiden waren ebenfalls viel mit den Bikes unterwegs, sei das mit Mountainbikes oder Bikepacking. Tolle Menschen mit dem Herz am richtigen Fleck! 



Zwischen San Felipe und Guerrero Negro gibt es wenige kleinere Dörfer, in denen wir unseren Wasserbag und unseren Vorrat an Lebensmitteln auffüllen. Kurz vor Puertecitos gibt es aber eine Bar namens Cow Patty. Dort wird Tourenfahrern ein Platz fürs Zelt, Bier und Hot Dogs angeboten. So machten auch wir Halt bei Patty und durften sogar in der Bar vor Wind geschützt zelten. Etwas ungewöhnlicher Ort aber auf jeden Fall einer mit viel Geschichte!;)

 









Je weiter wir uns nach Süden der Baja bewegten, desto grösser wurden die Kakteen und deren Vielfalt. Wir haben unseren Gefallen an diesen Pflanzen gefunden und staunten über ihre Grösse, Formen und Farben. Das Fahren durch diese Natur macht Spass! 










Die Strasse von San Felipe in den Süden hinunter ist noch nicht ganz fertig asphaltiert. Die Mexikaner sind noch an den letzten 4 km dran. Wir schnupperten daher nochmals ein wenig «Gravel-Road-Luft für Anfänger». =)



Durch den nördlichen Teil der Baja California sind wir für unsere Verhältnisse sehr schnell gefahren. Da es keine grösseren Steigungen gab, der Rückenwind uns fast schon mittrug und die Sonne uns ins Gesicht schien, fuhren wir einige Male pro Tag über 100 km weit. Daher legten wir in Guerrero Negro einen Tag Pause ein. Unser Plan war es, Grauwale besuchen zu gehen. Diese kommen jährlich um diese Zeit in die Bucht. Doch es hatte nicht sein sollen. Die mächtigen Säugetiere befinden sich noch an der Küste der Staaten. So verbrachten wir unseren Tag mit Kleider Waschen, Fahrradtaschen putzen, grobe Route auf dem Festland planen sowie Tacos, Tortas und Quesadillas schlemmen.






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3 Comments

  1. Perrin Dezember 7, 2019

    Coucou les cyclistes,
    Encore merci pour votre carte qui nous a fait un grand plaisir.
    Nous suivons votre parcours avec interêt. C’est super,profitez bien.
    Nous vous souhaitons bonne route.
    Amitiés
    René et Danièle

    • admin Dezember 11, 2019 — Post Author

      Hola René et Danièle,
      On a fait ca avec plaisir. =)
      C’est très jolie, si nous pouvons partager notre voyage! Merci beaucoup et profitez l’hiver en Suisse!

      A bientôt,
      Aurelia et Tom

  2. Sven Dezember 13, 2019

    hey man, so funny, I still have my bear spray as well.

    greetings from Loreto.
    Remember? We met on the Icefields Parkway in August.

    see you on the other side.

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