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In der Wärme angekommen

16.11.2019 – 24.11.2019



Seit wir die zentrale Küste von Kalifornien erreicht haben, treffen wir immer mehr spanisch sprechende Menschen. Da wird uns wieder bewusst, dass wir unsere spanischen Sprachkenntnisse in Mexiko brauchen werden. Aurelia kam bereits in Cambria mit René aus Mexiko City auf Spanisch ins Gespräch. Ok, nicht gerade ein Gespräch: er stellte eine Frage und sie gab die passende Antwort. Aber immerhin!:) Von da an öffnete sie regelmässig das App «Buffl», das ihren Wortschatz wieder etwas verbessern sollte. 

Wir freuen uns auf diese für uns neue Kultur. Das Essen muss der Hammer sein und die Menschen herzlich und hilfsbereit. In etwa so schwärmen andere Reisende von Mexiko. Einige warnen uns aber auch vor der Kriminalität und der Drogenschmugglerei in diesem Land. Uns beruhigen jedoch im Moment vor allem die Einschätzungen und Erfahrungen von Reisenden, die mit dem Bike das Land bereist haben. Wir werden unser eigenes Bild von Mexiko machen und hoffen einfach, dass wir das Glück und die guten Menschen an unserer Seite haben werden. 

In Carpinteria machten wir einen Tag Pause und haben uns einfach mal nicht bewegt. Es war genug warm um in Badehosen am Strand Sonne zu tanken und Tom hat es sich sogar überlegt, einen Schwumm im Pazifik zu machen. Es blieb aber beim Gedanken daran. 🙂



Der gute alte John hatte das Gleiche vor. Auch er genoss den Sand zwischen den Zehen und tankte Sonne in Carpinteria. Mit ihm zu plaudern ist sehr spannend. Er hat viele Langdistanzwanderungen hinter sich und ist nun seit einigen Monaten in den Staaten unterwegs. Er weiss über vieles Bescheid und hat schon so viel erlebt. Da hört man gerne einfach zu, was er zu berichten hat! 🙂
An diesen Tagen wusste er am Morgen nicht wo es ihn am Tag hinzieht. So kam es, dass wir uns von ihm verabschiedeten und am Abend im Leo Carrillo Campground ihn wieder begrüssten! 
Dieser Tag war der Tag mit vielen «das erste Mal»: Wir kamen so richtig ins Schwitzen! Nicht weil wir irgendwo im nirgendwo stecken blieben sondern einfach weil die Sonne sich von ihrer heissesten Seite zeigte!:) Endlich! Wir haben je fast vier Liter Wasser getrunken und konnten nicht mehr trinken, weil der Bauch so voll war. Das war auch ein erstes Mal. 🙂 Und Tom tauchte am Nachmittag im Pazifik ab und auch Aurelia liess sich da drin bis zum Hals abkühlen. Jaa, sie ist (noch) nicht ganz so abgehärtet wie Tom. Aber sie steht wenigstens dazu…meistens! 😉 



An diesem Tag verlor auch der Schlauch von Toms Vorderrad zum ersten Mal seine Luft. Halb so wild, denn zum Glück sind wir für solche Fälle gut ausgerüstet! (=


Neben John kreuzte auch der Weg von Locky aus Australien den unseren. Er nahm vor Santa Barbara das Landesinnere ein wenig unter die Lupe und fuhr über Oxnard wieder zurück an die Küste. Mit diesen beiden angenehmen Gesellen genossen wir den warmen Abend und berichteten von den vergangenen Tagen.  


Für Locky und uns gings über Malibu und Ventura nach Los Angeles. Diese Strecke ist nicht wirklich zu empfehlen. Viel Verkehr und ein zuparkierter Seitenstreifen machte die Fahrt eher mühsam. Landschaftlich gab es auf der rechten Seite den Pazifik und seine Strände mit pompösen Villen zu sehen. Auf der Linken war in etwa das Gleiche Bild zu sehen, nur ohne Küste! Viele viele grosse Villen mit allem drum und dran! Da wurde Aurelia immer wieder an das Haus von Götti Jeannot erinnert. 










Ein langer Bike Trail führte dann aber über den Venice Beach. Da trafen wir dann wieder auf Locky, der in Los Angeles das Ende seiner Fahrradreise erreichte! Er fliegt von da zurück nach Hause.



Seit Santa Cruz beobachten wir immer wieder Surfer im Pazifik, die ihre Wellen reiten. Es juckt und kribbelt jeweils in unseren Füssen. Denn auch wir wollen uns darin versuchen. Doch wir haben uns entschieden, bis nach Mexico damit zu warten. Die Reisekasse wird dadurch geschont und vielleicht können wir da sogar ohne Neopren surfen!(?)




Eine spannende Begegnung hatten wir in Venice Beach! Juan, der argentinische Wurzeln hat, sprach uns an und wollte wissen, was wir so machen.





Als wir dann von unseren Plänen in Mittel- & Südamerika berichteten, freute er sich über unser Vorhaben und schwärmte von den Kulturen und den vielen schönen Orten, die wir besuchen sollten. Wir wollten dann natürlich wissen, wie es dazu kam, dass er Argentinien verliess und in Los Angeles wohnt. Er ist Mitbesitzer von «Industry for all Nations». Dieses Unternehmen stellt nachhaltige Kleidungsstücke in Guatemala, Indien, Bolivien und den USA her. Der Namen steht für Upcycling, natürliche Farbstoffe sowie für Verarbeitung von Alpaca- und Baumwolle. Da Tom auf der Suche nach einer Badehose war, lud uns Juan in seinen Laden ein. Das machten wir dann auch, doch zuerst ging es zu unserem Gastgeber Fred. Auf dem Big Sur State Park Campingplatz haben wir Fred kennen gelernt. Er war für einige Tage mit seinem Bike unterwegs. Mit ihm verbrachten wir zwei gemütliche Abende mit Schoggibananen und Bier. Er hat uns schon da zu sich und seiner Frau Yvette nach Hause eingeladen. Und da landeten wir dann auch. In seinem schönen Haus mit einer grünen grossen Küche (!) fühlten wir uns schnell wie zu Hause.



Wir haben unsere Bikes entladen und düsten dann auf den Abbot Kinney Boulevard. Dort tankten wir im Restaurant Lemonade Energie mit gesunden Vegigerichten und besuchten danach Juan in seinem Laden.



Obwohl wir bereits beim Betreten des Ladens ahnten, dass diese Kleidungsstücke über unserem Budget liegen, schauten wir uns etwas um. Tom fand schnell gefallen an den Badehosen. Juan erklärte uns von den Herstellungsprozessen und wo auf der Welt diese alle stattfinden. Als wir dann aber die Preise sahen, blieben wir ehrlich und erklärten unsere finanzielle Situation. Da winkte Juan ab und erklärte, dass er uns auf dieser Reise etwas schenken will, an dem wir Freude haben und brauchen können. Wir waren etwas verlegen und sprachlos. Damit haben wir nicht gerechnet. So liessen wir uns einkleiden und Juan schoss danach noch einige Foto von uns.





So fuhren wir mit unseren Bikes (noch ungeduscht) und neuen Kleidern zurück an den Venice Beach um Locky noch einmal zu treffen und kühlten uns im Meer noch einmal ab. Auch Fred kam dazu. Zusammen machten wir einen Abstecher zum Kanal von Venice und liessen anschliessend den Abend mit einem Bier ausklingen.







Am nächsten Tag nahm Fred sich für uns Zeit und führte uns mit den Bikes durch die Städte. Erster Stop machten wir nach 10 km vor den Urban Lights von Chris Burden. Weiter ging es zur schwebenden Felsenskulptur von Michael Heizer. Die Installation besteht aus einem 340 Tonnen schweren Felsen, der über einem 140 m langen Betrachtungspfad platziert ist.









Weiter ging es zu den Tar Pits. Das sind Asphalt-Gruben oder sogar Asphalt-Seen im Hancock Park mitten in der Stadt LA. Da blubbert und stinkt es ziemlich. Grund dafür ist aufsteigendes Methan und Schwefelwasserstoff. Circa 300 Meter unter der Oberfläche befindet sich Erdöl. Tiere und Pflanzen, die in solche Asphalt-Gruben gelangen, stecken darin fest und sterben. Durch den Asphalt bleiben deren Knochen, Holz und Schalen sehr gut erhalten. In Projekten werden diese Fossile ausgegraben, untersucht und im Museum ausgestellt.







Den Walk of Fame konnten wir einfach nicht auslassen. Auch wenn Fred uns schon vorgewarnt hatte, dass Hollywood ziemlich unschön sei, wollten wir uns dies trotzdem antun. Wer nicht hören will, muss ja bekanntlicherweise fühlen!:)















Wir verlängerten unseren Besuch bei Fred und Yvette in LA. Wir genossen die Zeit mit den Beiden sehr und wollten nicht schon wieder weiterziehen. So verbrachten wir einen weiteren Tag. Mit Backen und Rundfährtchen in der Stadt, diesmal aber geschlechtergetrennt. Tom zauberte einen Zopf für das Frühstück her und Aurelia wagte sich an einen Pumpkin Pie. Danach zogen Fred und Tom mit ihren Bikes durch die Stadt.











Aurelia liess sich in der Abbot Kinney und der Main Street in Santa Monica in Weihnachtsstimmung bringen. Das hat so richtig gut getan. Sie genoss es, mit Yvette zu Hause zu plaudern und zu backen. Mit einer Frau zu reden ist einfach nicht ganz das Gleiche wie mit einem Mann! 😉 Und alleine durch die Stadt zu fahren war ebenfalls etwas, was sie schon lange nicht mehr gemacht hat. Das tat gut!:)





Am Abend schwingten Tom und Yvette die Kochlöffel in dieser tollen Küche. Auf der Speisekarte stand das bewährte und gewünschte Cordon Bleu mit Kartoffeln und Salat. Wie Königinnen und Könige haben wir gegessen! Einfach super fein.



Kennt ihr Viggo Mortensen? Nicht? Kennt ihr Herr der Ringe? Ja? Kennt ihr Aragorn? Aaah ja?! Dann kennt ihr auch Viggo!;) Zusammen mit Yvette lernte Aurelia diesen Schauspieler besser kennen. Nicht in LA, nein nein!  Die beiden Frauen schauten sich den empfehlenswerten, wunderbaren und witzigen Film Captain Fantastic an. Wer Little Miss Sunshine mag, wird diesen Film bestimmt lieben! Und das kleine Extra: Viggo lässt darin seine Hüllen fallen! Arrr arrr! 🙂 

Am nächsten Morgen hiess es, von Yvette Abschied nehmen. Das viel vor allem Aurelia nicht ganz so leicht. Gespräche mit Frauen sind einfach nicht die Gleichen wie mit Männern! Das hat Aurelia sehr genossen. Mit ihr hat sie einige politische Themen diskutiert. Aurelia hat vieles zuvor nicht wirklich verstanden und konnte da bei Yvette Fragen stellen. Zu dieser Zeit lief gerade einiges in Sachen empeachment und Yvette verfolgte die öffentlichen Anhörungen. Es war unheimlich spannend, die politische Lage in den Staaten von einer amerikanischen Person wie Yvette erklärt zu bekommen, die dann auch noch all die Zusammenhänge aufzeigen kann. Yvette ist Fotografin und konnte auch noch einige Tipps und Tricks für Fotos auf dem Handy mit auf den Weg geben. Die App Snapseed hat da einiges auf dem Kasten!:) Thank you Yvette for these great days in your house. We felt very welcome and enjoyed your hearty way of talking, explaining things, sharing and caring! Don’t loose your great smile and enjoy the cool breeze in your house, when Fred once again left the door open!;) 





Zusammen mit Fred fuhren wir der Küste entlang 80 km nach Long Beach. Am Tag zuvor hat es geregnet. So ist es in LA üblich, dass nach solchen nassen Tagen, der ganze Müll auf den Strassen durch Abflusskanäle ins Meer gespühlt. Wir fuhren an dieser riesen Ansammlung von all diesem Abfall vorbei. Unglaubliche Mengen!

 





Bis kurz vor dieser Stadt haben wir die Aussicht auf das Meer und den Strand genossen und konnten grosse Strassen gut vermeiden. Ab San Pedro nahm der Verkehr und vor allem der Lärm sehr stark zu. Warum? Wir fuhren direkt am riesengrossen Hafen von LA vorbei, der mit Frachtschiffen, Unmengen von Containern und Kränen ausgerüstet war. Da wimmelte es nur so von Trucks auf den Strassen! 





Erkennt ihr das hübsche Schiff? Ja, das ist die Queen Marie, die ihre ruhigen Tage im Hafen von Long Beach verbringt. In dieser Stadt angekommen, belohnten wir uns mit Bier, Onion Rings, Pizza und Edamame. Der Tag mit Fred haben wir sehr genossen. Da viel uns der Abschied schon etwas schwer! Thank you Fred for having us in your nice house and for showing us your city. The biketour through LA was perfekt for us! We had a lot to laugh about and enjoyed cozy evenings with good dinners and wine! Take care, feel free to visit us in Central or South Amerika or Switzerland and please: wear your helmet!;) 



Falls ihr jemals mal bei einem Warmshower übernachtet, der sich glutenfrei ernährt, dann fragt lieber nach, ob er oder sie eine Allergie gegen Gluten hat oder einfach nur keine Gluten essen will. Sonst endet der Besuch so wie bei uns: ihr backt für ihn in seiner Küche einen Zopf als kleines Geschenk und er muss danach die ganze Küche putzen und desinfizieren, weil er sonst Aussschläge bekommen würde! Hallo schlechtes Gewissen!

Seit Halloween 2019 Geschichte ist, findet man in den Supermärkten immer mehr Weihnachtsartikel und in den Strassen die passende Dekoration. So auch in Oceanside. Dieses Jahr werden wir wohl eher unter Palmen statt neben Schneemännern Weihnachten feiern =)



Kurz vor Newport Beach haben wir unsere 7000 km hinter uns gebracht. Die Strecke ist vergleichbar mit folgender Route in Europa: Nordkapp hinunter bis nach Zizers, weiter bis nach Gibraltar und wieder hoch bis nach Porto. =)





Auf dem Weg nach San Diego haben uns etliche Rennvelofahrer überholt. Es war Samstag und die Strasse war voll von Fahrradfahrern. Darunter waren viele, die unsere Geschichte hören wollten. Meist werden uns Fragen wie: Wo seid ihr gestartet? Wo fährt ihr hin? Wie viele Kilometer macht ihr pro Tag? Habt ihr die Fahrräder in Kanada gekauft? Warum reist ihr mit dem Fahrrad? gestellt. Diese beantworten wir meist sehr gerne. So kommen wir sehr schnell in Kontakt mit den Leuten, die ebenfalls schöne Geschichten zu erzählen haben. Doch nach ca. fünf Fahrern wurde es etwas anstrengend. Nur mit wenigen entstand ein Gespräch und nach zwei Fragen fuhren die meisten auch schon wieder weiter, weil sie mit ziemlich viel mehr Kilometer pro Stunde unterwegs waren.



Unseren Gastgeber Chris Taylor trafen wir 30 km vor San Diego. Er düste mit uns über den Campus der Universität bis in die Stadt und brachte uns gleich auch noch zu seinem Bikeladen, um da noch einige Tools für unsere Bikes zu besorgen. Wir genossen dann gemeinsam ein gutes, kühles Bier in seiner Stammbeiz. Hier in San Diego bereiten wir uns auf Mexiko vor. Bremsen, Ketten, Benzin und etwas Lebensmittel wird eingekauft. Auch eine für uns neue Währung Pesos wird uns die nächsten Wochen begleiten. Die Spannung steigt und die Vorfreude wird bald gestillt! =)

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4 Comments

  1. Yvette Roman November 24, 2019

    What a beautiful post. I treasure every word, and I miss you every single day. VIGGO FOREVER! XOXOOXOX LOVE TO YOU BOTH and Safest travels. We will be watching.

    • admin November 24, 2019 — Post Author

      Ueeii did you translate it online?
      Thank you, Yvette! We miss you and Fred too! It was such a nice time with you!:) Enjoy the day!
      Hug, Tom and Aurelia

  2. Anita Dezember 3, 2019

    Liebe Aurelia
    Lieber Thomas
    Ich habe mich sehr gefreut über eure Karte. Eure Webseiten Angabe ist bei mir rausgerutscht und somit konnte ich euch nicht mehr schreiben. Bei uns geht es gut, ist etwas gar kalt. Ich vermisse euch, aber wenn ihr wieder in der Schweiz seid sehen wir uns sicher wieder einmal. Geniesst die Zeit on der Wärme.
    Herzliche Grüsse Anita

    • admin Dezember 4, 2019 — Post Author

      Liebe Anita
      Schön hat es geklappt mit der Postkarte!
      Hoppla, dann hast du die Angabe aber wieder gefunden!:)
      Wir wünschen dir einige Sonnenstrahlen in den schweizer Winter und eine schöne Adventszeit! 🙂
      Liebe Grüsse,
      Aurelia und Tom

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