trittweit

Baja California Sur

05.12.2019 – 20.12.2019

Rückenwind liess uns fast fliegen. Wir mussten schon fast ein wenig aufpassen, dass wir unsere 8000 km Marke nicht verpassten. Diese Bilder zu schiessen macht uns Spass und sie machen uns immer wieder bewusst, wie weit wir schon gereist sind, was wir alles schon erleben durften und dass noch so viel mehr vor uns liegt! 



Wir fahren immer wieder an toten Tieren vorbei. Manchmal ist es noch zu erkennen, um welches Tier es sich handelt. Wie hier das Pferd, das aber bereits ein gefundenes Fressen für diese Geier und den Fuchs bietet. Wie der Geruch jeweils in der Nase ist, müssen wir wohl nicht beschreiben. Manchmal liegt aber auch nur noch das Skelett neben der Strasse und da können wir deren Art nur teilweise erahnen.






Der nächste Tag war der Tag vom Samichlaus. Zu Hause wird Grittibänz gebacken, Nüssli gegessen und dem Chlaus und Schmutzli ein Vers aufgesagt. Wir haben uns an diesem Tag auch etwas in Stimmung gebracht: Weihnachtskugeln für den Lenker vom Flohmarkt, Datteln von der Region und sogar ein Dattelbrot haben wir uns in San Ignacio, einer Oase, besorgt. Papa Schmidlin hätte da sicher auch gerne ein oder zwei Stück gegessen! =)











Und wieder haben wir uns an diesem «Chlausabend» hinter Kakteen und Büschen versteckt um zu zelten. Der Verkehr war kaum zu hören, dafür aber die Coyoten! Diese jaulten beim Eindunkeln um die Wette. Witzige Töne geben diese Tiere von sich. Sorgen muss mann sich bei Coyoten aber keine machen. Wir haben zumal noch nie gehört, dass Fahrradfahrer von Coyoten angegriffen wurden. 😉 







Aurelia hat die beste Methode um Spanisch Wörtchen zu lernen gefunden: ihre Lenkertasche von Ortlieb hat ein transparentes Fach im Deckel. Dort listet sie die nützlichen Wörter auf und lernt diese immer wieder während der Fahrt. So leicht wie hier ist ihr das Lernen noch nie gefallen. Ist aber auch klar warum: Sobald man etwas lernt, das man direkt einsetzen und nutzen will, macht der Lernprozess Spass. Ja, ja die PHBern hat ihre Spuren bei Aurelia hinterlassen!:) Und Tom? Er greift in seine Küchen-portugiesisch-Kiste und schaut danach hilfesuchend zu Aurelia hinüber. Hat bis jetzt tiptop geklappt!;) Aber wer weiss, vielleicht drückt er in La Paz oder Puerto Vallarta eine spanische Schulbank.




Auf dem Weg nach Santa Rosalìa haben wir einige andere Reisevögel angetroffen. Auf dem Campingplatz San Lucas Cove haben wir diese dann alle wieder angetroffen. Lukas und Stefanie auf den Motorrädern und Wolfgang mit seiner Frau sowie Heike und Hermann aus Deutschland in ihren Wohnmobilen fanden da ein Plätzchen. Die Schweiz war da aber nicht nur mit uns vertreten, nein auch ein Berner Paar sind mit ihrem Camper auf Reisen. Bereits seit zwei Jahren bereisen sie die Welt und sind mit ihrem Berner Nummernschild schnell zu erkennen. Wir verbrachten mit diesen herzlichen und spannenden Leuten einen lustigen Abend mit gutem Bier. 





Im Playa de los Cocos, der ca 20 km südlich von Mulegé liegt, tauchten wir zum ersten in die Sea of Cortez bei angenehmen Temperaturen ins Meer. Klares Wasser und schöner Sand durften wir da geniessen. Auch wenn dieser Sand danach überall zu finden ist: das Zelten an diesem Strand war es wert! =)









Der nächste Tag haben wir uns nur wenige Kilometer vorgenommen, damit wir in der Bahia de Concepcion einen Strand für uns alleine geniessen konnten. Da war kein Mensch, nur einige Pelikane, Fischchen und Überresten von deren Gleichen. Und als dann die Sonne untergegangen war, haben wir das Leuchten von Plankton bestaunen können. Schon ziemlich magisch war das!











Meist bekommen wir am Vormittag einige Geier zu sehen. Oft setzen sie sich auf den Spitz von einer Kaktee und lassen sich von der Sonne die Flügel trocknen.









Einen längeren Halt haben wir in Loreto geplant und dann auch gemacht. Wir haben in Reiseberichten gelesen, dass diese ältere Stadt vieles zu bieten hätte. Auch wir wollten da die Sonnenbrille mit einer Taucherbrille austauschen. Da das Wetter nicht ganz optimal fürs Schnorcheln war, warteten wir den Wind ab und erkundeten stattdessen zuerst das Städtchen. Da haben wir uns dann ein ziemlich nützliches Vorweihnachtsgeschenk gekauft: Kleine Teppiche aus Leinen zum Draufsitzen! Wir haben nämlich keine Stühle und keine Sitzmatten dabei, die beim Campen doch so praktisch wären. Und dann haben wir uns doch noch Unnützliches gegönnt. Die Freude daran war einfach so gross und der Preis zu tief um daran vorbeizulaufen! Aurelia konnte diesen hübschen Pompons nicht widerstehen, die von mexikanischen Händen gemacht wurden. Tom hat dem Zelt einen mexikanischen Tatsch gegeben. Keine Sorge, die Stacheln sind nicht so spitzig.














Loreto war ursprünglich die Hauptstadt von Baja California Sur. Doch aufgrund der immer wichtigeren Hafenstadt La Paz hat man diesen Titel dieser weiter südlich liegenden Stadt übergeben. Wir haben uns in Loreto sehr wohl gefühlt. Es gibt einen hübschen Stadtkern und viele gute Orte um zu essen. Dabei sprechen wir nicht von den vielen eher teureren Restaurants sondern von den unscheinbaren und kleinen Essenständen und Restaurants, die eher von den lokalen Leuten besucht werden. So schien es uns zumal. 
Wie bereits erwähnt, wollten wir bei der Isla Coronado schnorcheln gehen. Dafür haben wir uns bei zwei Anbietern solcher Schnorchelausflüge informiert. Da ein Anbieter 2500 Pesos (125 Dollar) für das Boot verlangte, haben wir uns auf die Suche nach anderen Touristen gemacht, die mit uns schnorcheln kommen wollten und so die Kosten mit uns teilten. Da sprachen wir Scott und Nayel an, die im gleichen Hotel ihr Zimmer hatten. Und schon waren wir zu viert, oder besser gesagt zu fünft! Ihr Hund Momo kam auch mit!:) Die drei sind schon einige Tage in Loreto und wohnen bald in einer Wohnung bis Februar. Sie geniessen hier ihre Ferien, bevor es dann wieder zurück auf ihre Farm nach Fort Bragg geht. Als wir mit ihnen am Abend ins Giggling Dolphin Restaurant gingen und Oswaldo, der Restaurantleiter vernahm, dass wir schnorcheln gehen wollten, rief er gleich seinen Freund an. Dieser bot uns dann die Tour für 2000 Pesos an. Ja da sagten wir logischerweise zu! Am nächsten Morgen ging es zusammen mit unserem neuen Tourenleiter Fernando zuerst zu unseren liebsten Tierfreunden, den Seehunden. Diese konnte man kaum überhören. Danach ging es weiter zum bis jetzt schönsten Strand! Da setzten wir Schnorchel und Taucherbrille auf und tauchten ins etwas frische Wasser. Das hat Spass gemacht und der Strand erinnert an Werbebroschüren von Reisebüros. 🙂 Wenn man wie wir bereits in Asien die Wasserwelt gesehen hat, wird man etwas enttäuscht sein vom Schnorcheln bei Isla Coronado. Es gab nicht viele Fische und Farben zu sehen und die Vielfalt war eher klein. 
Als wir dann bezahlten, schaute Fernando etwas unzufrieden aus der Wäsche und meinte, der Preis sei aber 2500 Pesos! Aha, das war wohl der Haken! Nayel, die zum Glück mexikanische Wurzeln hat, klärte die Angelegenheit auf Spanisch und beharrte aber auf den 2000 Pesos.
Mit diesem hübschen Paar haben wir zwei tolle Abende verbringen dürfen. Wir spielten zusammen das mexikanische Gesellschaftsspiel Loterìa und lernten so noch mehr spanische Wörter. Auch konnten wir Nagel einige Fragen stellen, die uns schon lange auf der Zunge liegten. Zum Beispiel wussten wir nicht, dass die Leute im Supermarkt, die einem die Sachen einpacken, nicht bezahlt werden. Diese eher älteren Leute oder auch Jugendliche sind auf das Trinkgeld der Kunden angewiesen.













Auch wenn wir hier in Loreto neue Freunde und unsere Stammbeiz sowie den besten Churrostand gefunden haben (es gab nur einen=)), zog es uns weiter in den Süden der Baja. Als erstes warteten 450 Höhenmeter auf uns, die zu meistern waren. Genau das Richtige um wieder Schwung in die Beine zu bekommen. 🙂 Wir genossen dabei die schöne Landschaft mit ihren Bergen und den grünen Kakteen, Büschen und Gräsern. Nur die haarige und etwas gar grosse Spinne liess unsere Nase etwas rümpfen. An solche Tiere müssen wir uns wohl langsam gewöhnen! 






Habt ihr schon einmal ein Schwein unter Kakteen angetroffen? Nein? Wir schon!:) Auf der Suche nach einem weiteren Schlafplätzchen hinter den Kakteen, liefen die uns über den Weg!:) 





Die letzten drei Tage bis nach La Paz waren für uns nicht ganz einfach. Viel zu sehen gab es da ausser vielen Kakteen, eine lange gerade Strasse und Strommasten nicht. Anscheinend ist die lange Gerade zwischen Ciudad Insurgents und Santa Rita mit 82 km sogar eine der längsten geraden Strassen der Welt. Als dann noch starker Gegen- oder Seitenwind uns das Treten in die Pedale einiges schwerer machte, versuchten wir uns gegenseitig immer wieder irgendwie bei Laune zu halten.



In La Paz haben wir bei Tuly, der tollen Warmshower-Gastgeberin, Romain aus Grenoble kennengelernt, der sein Zelt in ihrer Garage aufgestellt hat. Auch wir geniessen hier die tolle Gastfreundschaft von Tuly. Sie öffnet vielen vielen Fahrradfahrern ihre Türen und machte auch unseren Halt in La Paz zu einem angenehmen. Nachdem wir unser Zelt aufgeschlagen hatten, informierte uns Romain über die verschiedenen Möglichkeiten, wie man von der Baja California auf das Festland hinüber kommt. Es gibt einerseits die Personenfähre, die erst wieder in zehn Tagen Plätze frei hat. Andererseits gibt es die Cargofähren, die theoretisch täglich fahren, aber von diesen drei Fähren nur eine fahrtüchtig ist. Ob diese Personen mit Fahrrädern transportieren, war nicht ganz klar. Und dann gibt es noch die vielen vielen Segelschiffe von Privatpersonen, die man per Funk im Hafen kontaktieren anfragen kann, ob dies Hilfe auf ihrem Segelschiff benötigen und so im Gegenzug uns und die Bikes mitnehmen. Gleichzeitig haben wir im Kaffee am Hafen eine Nachricht mit unserem Anliegen und Telefonnummer am Schlagbrett hinterlassen. Denn all diese Segler treffen sich da am Vormittag und plaudern bei Kaffee und Keksen untereinander. Auch wir haben uns unter dieses Volk gemischt um die Lage abzuchecken. Eine gemütliche Atmosphäre haben wir da genossen. Dabei haben wir den Schweizer Jean Pierre aus Vevey kennen gelernt. Er ist mit seinem Segelschiff unterwegs und geniesst die Feiertage in La Paz bevor er dann wieder in See sticht. Und als wir am Abend zurück zu Tuly fuhren, trafen wir auf ein bekanntes Gesicht: Sven aus Deutschland, den wir in Kanada im Icefield Parkway zwischen Jasper und Banff kennengelernt haben.









Wir haben die Zeit auf der eher ruhigen Baja genossen. Doch langsam sind wir neugierig und bereit, das richtige Mexiko zu erleben. Da soll es bunter zu und her gehen als auf der Baja California. Darum machten wir uns am nächsten Tag auf zum 20 km entfernten Hafen Puerto Pichilingue um die Situation vor Ort abzuklären. Auch Remi aus Frankreich und David aus den Staaten hatten den gleichen Plan wie wir. Sie lernten wir vor dem Hafen kennen. Wir informierten uns alle fünf Fahrradfahrer in den Büros der beiden Unternehmen und das alles natürlich auf Spanisch. Schlussendlich kauften Remi und Sven ein Ticket für nach Topolobampo, das 400 km nördlich von Mazatlan liegt. David und wir hofften noch, irgendwie nach Mazatlan zu gelangen. Dafür liessen wir uns auf die Warteliste setzen. Falls wir da erfolglos bleiben würden, gab es eine weitere Option, am gleichen Abend mit einer Cargofähre nach Topolobampo überzusetzen. Dies war laut einer Mitarbeiterin kein Problem. Falsch gedacht. Nach langem Warten und Nachfragen hiess es um 21:00 Uhr, dass diese Fähre definitiv keine Passagiere mit Fahrrädern transportiert. Und nun? Um diese Uhrzeit ist es bereits dunkel. Daher war es für uns Drei keine Option, nach La Paz zu Tuly zurückzufahren um da die Nacht zu verbringen. Zu gefährlich ist es in der Nacht mit dem Fahrrad zu fahren. Zum Glück erlaubten uns die Sicherheitsleute, die Nacht beim Gebäude zu verbringen und warfen in der Nacht ab und zu ein Auge auf uns. So machten wir es uns in einer windstillen Ecke gemütlich und versuchten da etwas Schlaf zu finden. Die hübschen Lichtergirlande sorgte da für etwas Romantik, die jedoch ihre Wirkung wegen den vorbeifahrenden Lastwagen verlor. Ein langer und anstrengender Tag ging zu Ende. Unsere Zuversicht war nicht mehr sehr gross und die Geduld von Tom ging irgendwann auch verloren. Aber neben den vielen vielen schönen Momenten und dem grossen Glück, das wir immer wieder hatten, gehören solche Tage eben auch zum Reisen.





Der nächste Morgen versprach vorerst nicht viel. Wir wollten ein Ticket für nach Topolobampo kaufen. Doch diese beiden Fähren waren zuerst ausverkauft. Als wir uns schon für ein Ticket am 30. Dezember nach Mazatlan entschieden haben, erklärte uns die Mitarbeiterin am Schalter, dass nun drei Tickets für die Fähre am Abend nach Topolobampo verfügbar sind. Warum genau es plötzlich Tickets gab, haben wir nicht ganz verstanden. Jetzt heisst es für uns auf jeden Fall: heute, am 20. Dezember, geht es ab aufs Festland! =)

Endlich hat das lange Hin und Her ein Ende. Viel Energie hat uns das gekostet. Und uns wurde noch einmal mehr bewusst, wie wichtig es ist, die Landessprache einigermassen zu beherrschen. Das App Duolingo haben wir nun ebenfalls installiert. Ein ziemlich gutes App, das das Lernen von Sprachen einfacher macht.

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4 Comments

  1. Regula Boss-Steiner Dezember 21, 2019

    Hallo liebe Aurelia, lieber Thomas!
    Erst einmal ein ganz herzliches Dankeschön, dass Ihr uns Daheimgebliebenen mit Euren spannenden Berichten und tollen Fotos trotzdem etwas an Eurer Reise teilhaben lässt!! Ich freue mich jedesmal, wenn wieder News eintreffen! 🙂
    Ich wünsche Euch Beiden auch in der Ferne ganz schöne Festtage, und natürlich auch weiterhin viele viele schöne und erlebnisreiche Tage!
    Ganz e liebe Gruess usem rägnerische Thun!
    Regula

    • admin Dezember 21, 2019 — Post Author

      Liebe Regula
      Und wir freuen uns jedesmal so sehr, wenn wir von euch zu Hause Nachrichten erhalten! Diese Erlebnisse teilen zu dürfen, macht es umso schöner! Schön bist du mit dabei! Wir wünschen auch dir und deiner Familie eine stressfreie und schöne Weihnachtsfeier und dann ein gesundes neues Jahr 2020!
      Liebe Grüsse aus Los Mochis, Mexiko!:)

  2. Elvira Dezember 21, 2019

    Hallo iahr Liaba!
    Sensationelli Fötali! Bsunders das mitem Huckepack näbem Riesakaktus isch dr Hammer. Das schmückt im traditionella Kalender für z Mami dr Monet Mai.
    Hebend Sorg!

    • admin Dezember 23, 2019 — Post Author

      Hola hermana!
      Schön vo diar zghöra! Danka vielmol! Hends bi dena Kakteea und uf dera Baja aber au eifach. DNatur da het üs sehr gfalla.
      Uee so cool, de hemmer as Plätzli becho im Kalender! Juhuu!:) Falls ds jpeg bruuchsch, meldisch dich gell?
      Liabi Grüassli und Küssli us Mazatlán,
      Aurelia und Tom

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