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Stillstand

18.03.20 – 08.04.20

Die Finca Ixobel ist ein Unterkunft mit Restaurant, Festraum, einem Naturteich, Baumhäusern, Campingplatz sowie Familienzimmer. Es gibt hier genug Platz für viele Gäste und die Natur kommt hier nicht zu kurz. Auch Freiwilligenarbeit wird angeboten. Wanderungen zu Höhlen sowie Ausflüge auf dem Pferderücken können unternommen werden. Hört sich ziemlich gut an, was?









Als wir hier ankamen, wurde uns schnell bewusst, dass dieser Ort genau das war, was wir suchten: eine sichere und günstige Bleibe im Grünen. Wir lernten die hilfsbereiten Gastgeber kennen, die uns beim Einkaufen unterstützen. Carlos und Charlotte wurden einen Tag nach unserer Ankunft von Flores mit einem Auto hierhergefahren. Es war der Geburtstag von Carlos. So feierten wir diesen am Abend mit einem Bier und waren froh, die vergangenen nervenaufreibenden Tage hinter uns lassen zu können. Doch die Fahrt auf der Achterbahn lag noch vor uns. Vorerst gaben wir uns aber Mühe, den Tag mit sinnvollen Aufgaben zu füllen. Denn das war für uns etwas Neues. Der Tag war nämlich bis jetzt immer mit dem Fahrradfahren gefüllt. Die Frage: «Was machen wir heute?» stellten wir uns in den letzten Monaten nicht sehr oft.

Rund herum gab es die Natur zu geniessen, die uns hübsche Vögel und sogar einen Papagei zeigte. Sie hat eigentlich ein grossen Käfig für sich, doch dieser ist stets offen. So flog sie ab und zu auf der Finca umher. Mal sass sie im Restaurant, mal war sie auf dem Dach und als sie dann zu uns zu Besuch kam, hatte sie gar keine Berührungsängste.







Unter den hier gestrandeten Touristen. zählten zwei belgische Rentner, Felix, Melissa und Savanne aus Neuchatel, Martin aus Dänemark, Giorgio aus Italien sowie Marion aus Schweden. Wir alle waren uns über unser Glück einig, an einem solch schönen Ort festzusitzen.



Für den Geburtstag von Tom legte sich Aurelia ins Zeug. Doch das Backen vom Kuchen wollte nicht so wirklich gelingen. Man muss dabei zu ihrer Verteidigung auch sagen, dass das Backen ohne Verbrennen im MSR Topf und auf dem Campingkocher auch nicht ganz so einfach ist. Dafür schmeckte der Butterzopf mit Margarine umso besser und sah gar nicht mal so übel aus! Der grosse Ofen der Finca war da sicher der entscheidende Untschied.









Viel Zeit hatten wir nun für Dinge, wie Freunde und Familie anrufen, Blogbeiträge schreiben, Fotos ordnen und abspeichern, Wäsche (diesmal gründlich) von Hand waschen oder auch einmal einfach nichts tun. Charlotte zeigte Aurelia, wie sie Seife selber herstellt und Tom versuchte eine neue Technik, um Kuchen auf dem Campingkocher zu backen.











Zusammen mit den anderen Touristen machten wir uns auf eine Wanderung zu der nahegelegenen Tropfsteinhöhle. Eine willkommene Abwechslung, bei der wir die anderen Gäste auf der Finca etwas besser kennenlernen sowie ein wenig auf andere Gedanken kommen konnten. 











Wir wollten die Zeit auch dafür nutzen, um unsere Spanischkenntnisse aufzubessern. Tom setzte sich dafür mit Charlotte zusammen und Aurelia erweiterte ihren Wortschatz und versuchte sich im Plusquamperfekt. 

Als eine Ausgangssperre von 16:00 Uhr bis 04:00 Uhr für zwei Wochen in Guatemala verhängt wurde, bat uns die Besitzerin der Finca uns nicht mehr auserhalb der Finca zu bewegen. So hatten wir ein nächstes Problem. Wie kommen wir zu Lebensmitteln? Da wir unsere Kosten möglichst tief halten wollten, kochten wir selber und konsumierten möglichst wenig im Restaurant. Die Besitzerin der Finca hat uns zu unserer grossen Erleichterung angeboten, unsere Einkäufe von einer Bekannten bringen zu lassen. Uff uff und wir dachten schon, wir müssten noch weniger essen. Denn wir haben bereits nur zweimal pro Tag gegessen. Das Inventar reichte also noch bis zum nächsten Einkauf. =)



Der Naturteich oder die sogenannte Lagune wird von vielen vielen Bambussträuchern umgeben. Hier kann man sich bestens zurückziehen und die Seele in der Hängematte baumeln lassen. Beim Anblick dieser vielen Bambusstangen wurde auch Tom kreativ und sägte und schnitzte Becher und Kochkellen.







Felix übernahm zusammen mit Santiago, ein Angestellter der Finca, die Bauarbeiten des geplanten neuen Baumhauses. Als Schreiner eine willkommene Arbeit, die er während diesem Unterbruch der Reise mit seiner kleinen Familie gerne annahm. Auch Tom durfte mit anpacken und war froh um eine handwerkliche Arbeit. Auch wenn es wegen nassem Holz und sprachlichen Barrieren nicht ganz einfach war.





Über diese Zeit von 17 Tagen standen wir immer wieder vor schwierigen Entscheidungen. Es wurden Flüge von der deutschten Botschaft organisiert, welche zehn Plätze den Schweizer Touristen übriggelassen haben. Die Schweizer Botschaft informierte uns stets darüber. Auch Charlotte stand mit der belgischen Botschaft in Kontakt und musste sich zusammen mit Carlos ihre Entscheidungen treffen. Alle, auch die anderen gestrandeten Gäste, fragten sich immer wieder, ob Abwarten noch sinnvoll sei oder ob eine Heimkehr besser wäre. Die Preise der Flüge, die über die Botschaft organisiert wurden, waren uns unbekannt. Jedoch mussten die ziemlich sicher teurer sein, als diejenigen welche von Mexiko aus kommerziell angeboten wurden. Bei diesen Flügen war jedoch das Problem, dass diese im letzten Moment gestrichen wurden.

Wir waren hin- und hergerissen. An einem Tag waren wir frohen Mutes und haben das Ausharren in Guatemala als vernünftig und umsetzbar eingeschätzt. Die Finca bot uns Bewegungsfreiheit, Sicherheit, Hilfe sowie unbegrenzte Aufenhaltsdauer. An einem nächsten Tag kippte die Stimmung und der Zweifel kam auf, dass das Reisen mit den Fahrrädern in den nächsten Monaten in Zentral- und Südamerika verantwortbar ist. Macht es also Sinn, drei Monate die Krise auszuharren und dabei nicht sicher zu sein, dass die Weiterreise möglich ist? Wir entschieden uns gemeinsam, die Reise nicht abzubrechen, sondern zu unterbrechen, die Heimreise anzutreten und die ungewisse Zeit in der Schweiz zu verbringen. Der Plan in der Schweiz ist es, irgendeine Arbeit zu finden, unsere Reisekasse aufzufüllen und irgendwann wieder loszufahren. Wann, wo und wie lange steht noch in den Sternen.





So fuhren wir mit einem von Protour organisiertem Transport zusammen mit drei anderen Touristen nach Guatemala City, brachten uns sowie Felix, Melissa, Savanna, Charlotte und Carlos in einer Zweizimmerwohnung unter und warteten da drei Tage auf den Flug. Ziemlich schnell bemerkten wir, dass das Ausharren in dieser Wohnung viel anstrengender wird, als auf der Finca Ixobel. In der Stadt ist das hinausgehen halb so erholsam. Auf der Finca waren wir eigentlich den ganzen Tag draussen in der Natur und die Tage vergingen kurzweilig. In der Wohnung jedoch zählten wir fast schon die Minuten. Auch spürten wir die Auswirkungen des Corona Virus stärker. Die meisten Leute trugen Masken, und als wir unsere bestellten Pizzas vor dem Haus abholen wollten, hat uns ein Bewohner des Hauses auf die Ausgangssperre nach 16:00 Uhr hingewiesen. Zum Glück kam der Pizzalieferant bis zur Haustür!



Wir sind sehr dankbar für all die Freiheiten, die wir auf dieser Reise erleben durften. Wir schätzten die lachenden, offenen und herzlichen Menschen, denen wir begegnet sind. Ohne diese, wäre das ganze Abenteuer halb so spannend gewesen. Wir erinnern uns immer wieder an die Natur und deren Schätze, die wir für uns in Nord- und Mittelamerika entdecken durften. Wir bedanken uns von ganzem Herzen jenen Menschen, die uns auf dieser Reise auf irgendeine Weise unterstützten.



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