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Weg von der Küste hinein in Die Bundesstaaten Jalisco, Michoacán und Estado de México

12.01.2020 – 31.01.2020

Kaum haben wir den letzten Beitrag hochgeladen, bekamen wir Neuigkeiten von unserem Packet. Es kam am Zoll einen Schritt weiter und sollte weitertransportiert werden. So haben wir uns noch weitere fünf Tage geduldet. Wir haben diese Tage mit Faulenzen, Hängematte geniessen, Auskurieren von Bauchkrämpfen und Plaudern mit den Gästen des Campings und der Ferienwohnungen verbracht. Das alles am hauseigenen Pool. Susanne und Reto haben uns dabei mit viel Brot und anderen feinen Sachen aus ihren Kochtöpfen verwöhnt!



Unsere Beine wurden langsam unruhig und auch die Motivation weiterzufahren wuchs immer mehr. Stefie, die mit ihrem Robert ebenfalls auf dem Campingplatz ihr mobiles Zuhause parkiert hatte, half uns herauszufinden, wo dieses Packet bei der mexikanischen Post stecken geblieben ist. Mit Hilfe ihrer Spanischkenntnissen kamen wir der Sache dann auch ein bisschen näher: Das Päckchen wurde an die mexikanische Post übergeben und nicht wie von uns angenommen an DHL. Laut Stefie nicht gerade ein vielversprechendes Unternehmen. Unsere Geduld war zu Ende und wir fanden eine andere Lösung: Nachbestellung anfordern und das erste Packet weitersenden, falls es doch noch ankommen soll.





Somit hiess es nach 10 Tagen Abschied nehmen und in die Pedale treten! Doch zuerst nur bis nach Bucarias, denn da haben wir uns mit Dominik und Linda auf einen Kaffee verabredet. Auch sie haben Roman in den USA kennen gelernt und sind uns seither auf den Fersen. =) Wir freuten uns, diese beiden Tourenfahrer endlich persönlich kennen lernen zu können, denn über WhatsApp stehen wir schon einige Wochen in Kontakt. Dieses Schweizer Pärchen ist bereits seit eineinhalb Jahren mit dem Fahrrad unterwegs und haben schon viele Länder in Europa, Zentralamerika sowie die USA bereist.



Und dann ging es endlich los nach Las Palmas. 40 km, die uns and diesem ersten Tag wieder ein wenig in Form bringen sollen. Denn am nächsten Tag warteten 1900 Höhenmeter über 70 km auf uns, die in Mascota endeten. Das Zelt schlugen wir auf dem Fussballfeld von Las Palmas auf. Laut den Bewohnern des kleinen Dorfs sei das ein sicheres Plätzchen das auch für solche Zwecke gebraucht werde.



Die ersten 20 der 70 km waren noch gut machbar. Die weiteren 20 km bis zum höchsten Punkt waren umso anstrengender. Steile Abschnitte bis zu 16% Steigung liessen Aurelia am Schluss aus dem Sattel steigen. Denn mit Schieben war sie sogar etwa gleich schnell! Die Aussicht auf die Berge, grünen Wälder und die Felder war dabei immer wieder ein Genuss. Hier wird die Basis von der Tortilla und dem Tequila, Mais und Agave, angepflanzt.









Über Los Volcanes und Ayutla ging es weiter nach Tecolotlan. Kurz vor dem Städtchen versuchte sich Tom im Käse kaufen auf Spanisch. Der Käser Felipe wollte danach noch etwas genauer wissen, was wir heute so vor hatten. Als wir uns bei ihm nach der Feuerwehr in Tecolotlan erkundeten, winkte er nur ab und lud uns in das Haus seiner Mutter ein. Bei der Ankunft im Städtchen Tecolotlan fiel uns dann schnell auf, wie interessiert und freundlich die Menschen da waren. Wir warteten auf der Plaza auf Felipe. Doch die Zeit verging schnell. Einige Bewohner kamen auf uns zu und wollten unsere Geschichte hören, die wir gerne einige Male erzählten.

Bei Felipe’s Mutter Maria Dolores durften wir eine warme Dusche geniessen und sogar das Gästezimmer beziehen. Wir lernten auch seine beiden Töchter Alison und Kari kennen, die ihrer Grossmutter im Haushalt tatkräftig halfen, da sie wegen eines gebrochenen Fusses im Rollstuhl sass. Nach dem Abendessen nahm uns Felipe in seinem Pickup auf eine Runde in der Stadt mit. Er stellte uns seinen Freunden vor und zeigte uns eine weitere Käserei. Auch mit seinen zwei (von insgesamt 9!) Geschwistern Lolita und Antonio machten wir Bekanntschaft. Die Frau von Felipe und seinen frisch geborenen Sohn Felipe Junior lernten wir leider nicht kennen, da sie wohl noch etwas Ruhe zu Hause brauchte. Am Ende des witzigen Ausflugs landeten wir wieder im Hause der Mutter, das mit Freunden und Geschwistern gefüllt war.

Am nächsten Morgen kamen wir zum ersten Mal in den Genuss eines mexikanischen Frühstücks. Bis anhin haben wir uns noch nicht an ein solches (Fleisch, Tortillas, Eier, Guacamole, Bohnen, etc.) gewagt. Antonio, der als Koch in einer Pizzeria arbeitet, liess sich nicht zurückhalten und tischte zusammen mit seiner Schwester Lolita ein leckeres Frühstück auf. Wir durften dann beim Backen der frischen Tortillas mit anpacken.



Diese Familie haben wir schnell in unser Herz geschlossen. Wir fühlten uns sehr wohl im Haus und trotz einigen sprachlichen Schwierigkeiten, konnten wir uns gut verständigen. Ein schönes Erlebnis das wir nicht vergessen werden. So schnell haben wir Freunde gefunden und genau so schnell hiess es Abschied nehmen, was uns nicht ganz so leicht fiel.





Auf dem Weg zum nächsten Tagesziel in Cocula fuhren wir an vielen Feldern mit Zuckerrohr vorbei. Aber auch dieser fuhr auf eindrückliche Weise an uns vorbei.





In Teocuitatlan de Corona nahmen wir die nächsten 70 km mit 1500 Höhenmetern nach Mazamitla in Angriff. Doch bevor wir losfahren konnten, musste der fünfte platte Reifen von Tom geflickt werden. Übeltäter war ein starker kleiner Dorn.



Auf dem Weg nach Mazamitla fuhren wir an eher unspektakulärer Landschaft vorbei. Erst als wir die vielen Avocadobäume erkannten, wurde es etwas spannender!:) Da fuhren wir für 10 km wieder einmal auf Schotterstraße. Zurück auf dem Asphalt hiess gleichzeitig auch zurück bei dem vielen Abfall: gekonnt platziert bei Schildern mit der Aufschrift «Abfall wegwerfen verboten!».





Mit müden Beinen und etwas nass von leichtem Regen kamen wir dann auf den 2234 m ü. M. an. Kühlere Temperaturen hatten wir da seit langem wieder zu spüren bekommen. Mazamitla ist für deren nahegelegenen Kiefernwäldern und Holzhandwerk bekannt. Wir waren eher an diesen Wäldern interessiert und machten uns auf zum Cascada El Salto: ein Wasserfall. Die nette Begleitung bekamen wir am Schluss fast nicht mehr los, obwohl wir kein Essen teilten. 🙂









Im Jahr 2018 kam es zu einem tragischen Verlust von zwei Tourenfahrern, die in Chiapas mit ihren Fahrrädern unterwegs waren. Die Fahrradfreunde im Lande waren schockiert und stellten sogleich eine Bürgerorganisation auf die Beine, die Informationen sammelt, Hilfe anbietet und die Kommunikation unter den Fahrradreisenden fördert. Mit Hilfe dieser Organisation RACmx haben wir Frank in Zamora kennengelernt. Wir durften uns in seinem Gästezimmer einnisten und eine Dusche geniessen. Frank hat uns als nächsten Stop das Dorf Cherán ans Herz gelegt. Diese Stadt sei der sicherste Ort in Michucan und habe einen spannenden Hintergrund. Diese Gegend hatte wie so viele in Mexiko mit grausamer Kriminalität zu kämpfen. Die indigenen Purépecha von Cherán haben im Jahr 2013 eine radikale Lösung gefunden, um zunehmender Gewalt, Gesetzlosigkeit und illegaler Entwaldung in ihrer Gemeinde entgegenzuwirken. Da die Regierung sie oder ihre Wälder nicht schützte, lösten sie ihre Stadtregierung auf, sperrten ihre Stadt und schmissen die Gegner selbst aus, während sie den nationalen politischen Parteien den Betrieb untersagten. Mit diesen Informationen machten wir uns auf nach Cherán. Doch schon nach den ersten 5 km wurden wir von zwei Autos angehalten. Zehn Frauen stiegen aus, drückten uns zwei Sandwich in die Hand und erklärten uns, dass sie an diesem Tag mit dieser Geste alle Fahrradfahrer unterstützen wollen. Eine tolle Aktion der Mamasonas! 🙂 Nach einigen Fotos später ging es für uns weiter in den kleinen Nationalpark Lago de Camécuaro. Viele Besucher und Essensstände umringten den See mit seinem sauberen und klaren Wasser.



Dass die Stadt Cherán etwas anders funktioniert, merkten wir, als ein bewaffneter Mann am Eingang der Stadt stand und die passierenden Autos kontrollierte. Auch uns fragte er nach unserem Ziel und wo wir übernachten wollten. Da wir das noch herausfinden mussten, haben sie uns dann weitergeholfen und sogar die Preise der drei Hotels sagen können. Auch eine Möglichkeit zum Zelten auf dem Sportplatz neben dem Kontrollposten boten sie uns an. So fuhren wir mit diesen Informationen die letzten Kilometer hoch in die Stadt und liessen uns von lauter Musik anziehen. Dort fand nämlich das Fest von Luis Francisco statt. Wir haben es als eine Art Taufe verstanden, wie uns zwei Gäste des Fests versucht haben zu erklären. Es dauerte nicht lange und wir wurden mit Tamales, Reis und Poulet versorgt und immer wieder zu Bier und Tequila überredet. Nicht ganz üblicher Durstlöscher nach 75 km Radeln! 🙂 Wir fühlten uns zu Beginn schon etwas eigenartig, da schon ziemlich viele Augen auf uns gerichtet waren! Aber der Tequila zeigte seine Wirkung ziemlich schnell und wir konnten uns entspannen. =)





Auf dem Weg nach Patzcuaro haben wir unsere 10’000 km erreicht! Wenn wir unsere Fotos und Streckenpunkte auf der Weltkarte anschauen wird uns immer wieder bewusst, wie viele schöne Orte wir für uns schon entdecken durften und wie weit wir schon geradelt sind. Denn manchmal sind wir mit so vielen Eindrücken beladen, dass es nicht ganz einfach ist, alles abzuspeichern. Eine lange Strecke liegt hinter uns, die mit einem Foto festgehalten werden musste! Da scheuten wir keinen Aufwand und legten uns ins Zeug. =)



In Patzcuaro schlugen wir unser Zelt wieder neben den Feuerwehrautos auf. Nach einem kurzen Rundgang durch die Stadt, planten wir unsere nächsten Tage bei Kaffee und Dulces und machten uns mit einem Kaktusblatt zurück. Menü des Abends: Kaktuspasta! =) Schmeckte für uns ähnlich wie Kohlrabi, nur etwas säuerlicher.



Rund 15 km von Patzcuaro entfernt besuchten wir zum ersten Mal auf unserer Reise eine Ruinenstadt. Tzintzuntzan ist ein kleines Städtchen und hat oberhalb eine archäologische Ausgrabungsstätte, welche einst die Hauptstadt des indigenen Volks Purépecha war. Im Jahr 1325 wurde die Stadt gegründet und wuchs bis Mitte des 15. Jahrhundert an Grösse. Sie wehrten Angriffe der Azteken stand. Doch als die Spanier eindrangen, ergab sich die Stadt um die Zerstörung der Stadt zu vermeiden. Aus dieser Zeit blieben sieben Yacatas übrig.









In der Zwischenzeit haben wir erfahren, dass das Packet mit unseren Ersatzteilen endlich angekommen ist. Wir haben Cheryl gebeten, das Packet weiter nach Valle de Bravo zu senden, wo wir in einigen Tagen bei Doris und Marcel einen Halt machen werden.

Morelia empfing uns mit viel Feierabendverkehr. Da mussten wir einiges an Abgas einatmen. Doch als wir dann im Zentrum ankamen, liess uns der Anblick der Altstadt die brennende Lunge fast schon wieder vergessen. Über Warmshowers haben wir Alejandro kennen gelernt, der uns in seinem grossen Haus warm empfing. Zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen Bruno und Marcelo genossen wir einen tollen Abend mit feinen Tacos. Die ganze Familie sprach sehr gut Englisch, so konnte auch Tom wieder einmal seinen Senf dazugeben. Alejandro bat uns dann um einen Gefallen, den wir sehr gerne erfüllten: Die Klasse von Marcelo und seine Lehrerin wollten uns kennenlernen und einige Fragen stellen. So machten wir uns am nächsten Morgen auf in die Privatschule «El Principito» und beantworteten die vielen tollen Fragen dieser 6. Klasse. Da bekam Aurelia schon fast wieder Lust auf ihre Arbeit! 🙂





Nach der Führung und Vostellungsrunden in allen sechs Klassen und Kindergarten (!) machten wir uns mit einem breiten Lächeln im Gesicht auf nach Ciudad Hidalgo. Der etwas längere Weg über die MEX 15 bot eine wunderbare Aussicht auf die Berge und Wälder, welche das Hochfahren um einiges erträglicher machte. Ein Bauer, der Avocadobäume anpflanzt, kam in unserer Mittagspause mit seinen Händen voll Früchten zu uns. Er schenkte uns Avocados und Passionsfrüchte, die hier «Granada de Moco» (Rotznase) genannt werden. Richtig lecker und sicher sehr gesund. =)



Nach 58 km Anstieg mit kürzeren flachen Passagen waren wir schon sehr froh, als wir auf den 2900 m ü. M. ankamen. Die Abfahrt nahmen wir trotz später Stunde in Angriff. Wir schafften es knapp nicht, vor dem Eindunkeln um 18:30 Uhr in Ciudad Hidalgo anzukommen. Wieder hatten wir eine grosse Portion Glück dabei! Die letzten 10 km erhielten wir von einem Strassenengel Rückendeckung! Er fuhr mit Warnlicht hinter uns bis in die Stadt. Wir wollten uns bei ihm bedanken, doch leider winkte er uns nur zu und fuhr an uns vorbei. 



Über Ixtapan del Oro steuerten wir dann Valle de Bravo an. Hügelige Strassen mit toller Aussicht erwartete uns da. Am Strassenrand schauten Esel, Pferde, Hühner, Schweine, Hunde und Ziegen auf. Die kleinen Scheisserchen unter diesen Tieren waren schon herzallerliebst! 🙂 



















Nach all diesen süssen Kerlchen schmerzte der nächste Anblick umso mehr. Müll wird dort laut einem Arbeiter zwischengelagert um in die nächste Stadt weitertransportiert zu werden. Doch das Bild spricht für sich.



Nach 13 Fahrtagen kamen wie bei Doris und Marcel in Valle de Bravo an. Hier durften wir einige Tage unsere Bikes einstellen um Mexiko Stadt mit dem Bus zu erkunden. Denn die Hauptstadt machte uns schon etwas Neugierig: 8.8 Millionen Einwohner auf 2300 Höhenmeter mit zahlreichen Theater und Museen sowie den Ruinen von Teotihuacan. Doch bevor wir in die Stadt fuhren, durften wir einen gemütlichen Abend am Feuer bei den Beiden in ihrem schönen Garten geniessen. Und übrigens: das Packet hat den Weg zu uns tatsächlich geschafft! =)





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1 Comment

  1. urogallos Dezember 3, 2020

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